Evolution und Integration durch Kunst und Gesellschaft
Sonnenuntergang: Aussicht von meinem Balkon über Berlin. Der Spielplatz des Ein-Sekunden-Menschen: Planet Erde.

Globale Schwarmintelligenz als Prüfarchitektur für Rückkopplungsverantwortung:
Ausgangslage
Die gegenwärtige Weltgesellschaft ist technisch und kommunikativ so eng vernetzt wie nie zuvor, während zugleich die Rückkopplung zwischen Handlungen und ihren Folgen immer häufiger unsichtbar, zeitlich verzögert oder räumlich ausgelagert erscheint.
In dieser Lage entsteht eine paradoxe Form kollektiver „Intelligenz“: Es gibt globale Koordination durch Märkte, Medien, Politik und digitale Plattformen, jedoch ohne ein ebenso global wirksames Maßstabssystem, das Tragfähigkeit, Grenzen und Folgekosten zuverlässig bindet. Der hier entwickelte Ansatz setzt genau an dieser Lücke an und formuliert Schwarmintelligenz nicht als Menge von Meinungen, sondern als lernfähige Prüf- und Verantwortungsform.
1. Das dreistufige Schichtenmodell als Ordnungsrahmen
Das Schichtenmodell unterscheidet drei Wirklichkeitsbereiche, die sich wechselseitig beeinflussen, aber nicht ineinander aufgehen.
- In der ersten Ebene liegen Funktionieren und Existenzbedingungen. Widerstände, Trägerbedingungen, Physik und Grenzen bilden hier die nicht verhandelbaren Parameter: Reibung, Verschleiß, Energie- und Materialbindung, Verletzbarkeit und die harte Differenz zwischen funktionieren und nicht funktionieren. Diese Ebene ist unabhängig davon wirksam, welche Begriffe oder Werte man ihr zuschreibt.
- In der zweiten Ebene liegt Stoffwechsel und Leben als Geflecht aus Organismus und Milieu. Bedürfnisse, Austauschprozesse, Regeneration, Abhängigkeiten und Kopplungen mit anderen Lebewesen und Systemen bestimmen, welche Handlungsspielräume überhaupt existieren. Leben ist hier keine Idee, sondern eine fortlaufende Rückkopplungsleistung unter Bedingungen von Mangel, Zeitdruck, Fehleranfälligkeit und endlicher Belastbarkeit.
- In der dritten Ebene liegen Symbolwelten und Konstrukte. Begriffe, Rollen, Rechte, Identitäten, Narrative, Werte, Eigentumstitel sowie die Unterscheidungen von innen und außen oder Subjekt und Objekt strukturieren soziale Ordnung. Diese Ebene ermöglicht Koordination über Distanz, Zeit und große Gruppen, sie erzeugt jedoch zugleich eine spezifische Versuchung: Konstrukte werden nicht mehr als Konstrukte behandelt, sondern als ontologische Tatsachen. In dieser Reifikation bildet sich eine Unverletzlichkeitsannahme, ein „als ob“, das die Rückbindung an die ersten beiden Ebenen schwächt oder sogar ersetzt.
2. Schwarmintelligenz als Rückkopplungsphänomen
Das biologische Vorbild des Schwarmverhaltens macht sichtbar, worauf Intelligenz im strengen Sinn beruht. Bei Fischen, Vögeln oder Insekten entsteht Schwarmintelligenz nicht aus einem zentralen Plan, sondern aus lokaler Orientierung unter unmittelbarer Rückkopplung. Abstand, Geschwindigkeit, Strömung, Energieaufwand, Kollisionsrisiko und Feinddruck sind keine Interpretationsangebote, sondern reale Prüfbedingungen. Das System „weiß“ nichts im begrifflichen Sinn, aber es lernt, weil jedes Verhalten fortlaufend durch Konsequenzen korrigiert wird. Der Schwarm bildet damit eine Ordnung, die robust ist, weil sie nicht primär durch Geltungsansprüche stabilisiert wird, sondern durch permanente Prüfung an Widerstand und Tragfähigkeit.
Für die menschliche Weltgesellschaft ist diese Logik nicht einfach kopierbar, weil Menschen sich in Symbolwelten bewegen, die Rückkopplung ersetzen können. Der entscheidende Punkt ist daher nicht Vernetzung, sondern die Wiederherstellung einer prüfenden Kopplung zwischen Ebene drei und den Ebenen eins und zwei.
3. Globale Verantwortlichkeit als Schwarmziel
Wenn jeder Mensch durch Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen mit anderen verbunden ist, dann ist Verantwortlichkeit keine moralische Zusatzoption, sondern eine faktische Strukturbedingung des Zusammenlebens.
Handlungen greifen in Stoff- und Energieflüsse, in Zeitbudgets, in Risiken und in Regenerationsräume ein.
Die entscheidende These lautet, dass ein globaler Schwarm ohne globale Rückkopplungsverantwortung zwar koordinieren kann, aber nicht intelligent im Sinne von Tragfähigkeit wird. Intelligenz ist dann nicht die Vermehrung von Aussagen, sondern die Fähigkeit, kollektive Praxis so zu steuern, dass die Existenzbedingungen der Ebenen eins und zwei nicht systematisch unterlaufen werden.
4. Die Plattform Globale Schwarmintelligenz als Prüfregime
Die Plattform Globale Schwarmintelligenz ist vor diesem Hintergrund als infrastruktureller Schritt zu verstehen: Menschen sollen zu Wissenschaftlern der Schwarmintelligenz werden, indem sie Prüfmodule nutzen, teilen und weiterentwickeln.
Die Idee, Module in KI-Systeme einzuspeisen, dient dabei nicht der Autoritätssteigerung von KI-Antworten, sondern der Transformation des Antwortmodus. Eine gewöhnliche KI kann plausible, sprachlich glatte und konsensnahe Antworten generieren. Ein Prüfregime hingegen erzwingt, dass Aussagen an Rückkopplungen, Toleranzbereichen und Konsequenzketten gemessen werden. Dadurch verschiebt sich der Schwerpunkt von Geltung zu Tragfähigkeit.

5. Künstlerische Zivilisationskritik als Rückkopplungsarbeit
Der interdisziplinäre Ansatz, der hier verfolgt wird, ist wesentlich künstlerisch, weil künstlerische Praxis den Widerstand von Material, Raum, Körper und Wahrnehmung erfahrbar macht und damit die erste und zweite Ebene nicht nur behauptet, sondern performativ prüft.
Kunst wird zur Zivilisationskritik, wenn sie Symbolwelten nicht moralisch kommentiert, sondern ihre Rückkopplungsdefizite sichtbar macht. In diesem Sinn ist die künstlerische Perspektive nicht Dekoration eines theoretischen Arguments, sondern ein Erkenntnismodus, der die Differenz zwischen Geltung und Tragfähigkeit praktisch demonstrieren kann.
Schwarmintelligenz wird damit zur Verantwortungsintelligenz. Die zentrale Arbeit besteht darin, die modernen Operatoren von Innen, Außen, Subjekt, Objekt, Individuum und Autonomie so umzubauen, dass sie nicht länger Unverletzlichkeit simulieren, sondern Rückkopplung ermöglichen. In dieser Umbauarbeit liegt der Kern der Verunsicherung, aber auch die Möglichkeit, aus globaler Entkopplung einen globalen Lernprozess zu machen.
Da dieses Projekt zahlreiche neue Begriffe und Ideen umfasst, finden Sie hier ein Glossar der wichtigsten Begriffe. Glossar plastischer Begriffe. Beispiel: Dysbalance als Damoklesschwert, der Menschheitsgeschichte.
5. Urheberrechtliche Hinweise, Einladung & Vermächtnis
- Ich erhebe keinen Anspruch auf Urheberrecht, mit Ausnahme der Nutzung für kommerzielle Zwecke, die nicht erlaubt sind.
- Es ist mein Beitrag zur Gestaltung einer Zukunft, in der Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft nicht mehr getrennt sind. Ich heiße Sie in dieser globalen Bewegung willkommen. Näheres meinen blauen Navigationslinks zu folgen, und sehen Sie sich hierzu die verschiedensten Startseiten an um einen Einblick zu bekommen, wie sich dieses Kunstwerk globale Schwarmintelligenz entwickelt hat.
Mit hoffnungsvollen Grüßen,
Wolfgang Fenner
